Und jetzt?! Erfahrungen aus dem Freiwilligendienst

WDR 3 (Audiobeitrag), Kersten Knipp

“Und jetzt?!” Was jetzt? Darüber diskutieren auf dem Campus der Universität Witten-Herdecke derzeit über hundert junge Menschen, die vor allem eins verbindet: Sie haben fast alle eine Zeitlang einen Freiwilligendienst im Ausland verbracht, haben ihr Wissen, Können, ihre Fähigkeiten vor Ort eingesetzt, um Menschen zu helfen. Deutschland, steht für sie fest, muss sich der Welt öffnen. Über eine Generation, die ihre Grenzen testet

weiter…

Etwas für die Gesellschaft tun

Audiobeitrag des Deutschlandfunks, 9. August 2010, Hilde Braun

Was Bill Gates kann, können wir auch – 170 junge Menschen an der Universität Witten/Herdecke spenden zwar keine Milliarden, dafür aber soziales Engagement und Erfahrung. Das ist die Idee hinter der “und jetzt?!”-Konferenz, die gestern begonnen hat.Auf dem Campus der Universität Witten/Herdecke wird kampiert. Im Garten der Hochschule sind riesige Zelte aufgebaut, Biertischgarnituren, eine Essensausgabe. Junge Menschen aus ganz Deutschland treffen sich hier eine Woche lang. Sie verbindet das Interesse an sozialem Engagement.

Manuel Ronnefeld ist einer von ihnen. Nach dem Abitur hat er seinen Zivildienst über den Freiwilligenaustausch Icja in Indien gemacht, und als Englischlehrer an einer Schule für arme Kinder gearbeitet.

“Es war am Anfang nicht ganz einfach, weil in Indien einfach die Schulstrukturen doch anders sind als bei uns. Es wurde teilweise noch geschlagen, was früher bei uns vor 50 Jahren der Fall war. Das wollte ich natürlich nicht machen, nur ist es dann das Problem, dass die Schüler das zum Teil am Anfang ausgenutzt haben. Dass sie einfach gemerkt haben, derjenige schlägt nicht, also kann ich über Tische und Bänke, und dann war es die größte Herausforderung, die Klasse erstmal zum Lernen ruhig zu kriegen.”

weiter…

Leben lernen

Süddeutsche Zeitung, 6. August 2010, Charlotte Frank

dealismus oder Gutmenschentum? Immer mehr junge Leute sehnen sich danach, die andere Seite der Realität kennenzulernen und engagieren sich im In- oder Ausland.

Grenzen, sie kann ihre Geschichte nicht erzählen, ohne das Wort immer wieder hervorzuholen und Grenzen in ihre Sätze einzubauen, dabei ist sie damals doch nur ins Nachbarviertel gegangen. “Ich bin noch nie in meinem Leben so an meine Grenzen gekommen”, sagt Birte Weber über ihr soziales Jahr in einem Hamburger Altenheim, sie sagt aber auch, dass sie nie so viele Grenzen zu anderen Menschen abgebaut hat. Musste sie ja – ihre Tage bestanden aus Füttern, Waschen, Windeln. Oft, sagt Birte, war sie darüber grenzenlos unglücklich. So, dass sie alles hinwerfen wollte? Sie schüttelt den Kopf: Dazu hätte sie zu sehr um den Platz gekämpft.

weiter…

Tue Gutes – und verdiene dabei

Süddeutsche Zeitung, 6. August 2010, Marten Rolff

Wer nach der Schule ein soziales Jahr absolviert, will Menschen helfen. Doch zahlreiche schwarze Schafe unter den Anbietern schöpfen das Geld der zahlenden Gäste nur in die eigene Tasche.

Nicht alles, was gut klingt, ist auch gut. Bernhard Dalheimer zum Beispiel hatte sich das ganz toll vorgestellt: Entwicklungshilfe in Vietnam – dem Land, das er immer schon kennenlernen wollte. Über einen Berliner Verein, der sich auf seiner Webseite damit brüstet, “Kinderhilfe, Umwelthilfe und Entwicklungszusammenarbeit” zu betreiben und unter anderem in Vietnam humanitäre Hilfe zu leisten, ging der 19-Jährige als Freiwilliger nach Asien. Menschlich habe er “profitiert”, sagt er, aber der Job dort war anders als erwartet: Er unterrichtete Kinder reicher Vietnamesen in Englisch. “Das war total unseriös, die haben mit uns Geld verdient. Ich habe nicht geholfen, sondern wurde ausgenutzt.”

weiter…