Süddeutsche Zeitung, 3. November 2009, Matthias Drobinski
Es ist eine Ironie der Geschichte: Der Zivildienst ist zum wichtigsten Argument geworden, die Wehrpflicht beizubehalten. Die neue schwarz-gelbe Koalition will die Wehrpflicht auf sechs Monate begrenzen, da grummelt es ein bisschen in der Bundeswehr. (…)Bundesagentur für freiwillige Dienste
Die Profis sind teuer, vor dem Pflichtjahr steht die Verfassung, und so wäre es am besten, wenn ein gestärkter Freiwilligendienst das Erbe des Zivildienstes antreten könnte. Bereits jetzt gibt es das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr, bereits jetzt gibt es dort mehr Bewerber als Stellen. Das Bundesamt für den Zivildienst könnte zur Bundesagentur für freiwillige Dienste werden, die verschiedenen Sozialträger koordinieren, Standards sichern, Aus- und Weiterbildungen organisieren. Ein Freiwilligendienst muss attraktiv sein für Jugendliche, die nach Schule oder Ausbildung ein Jahr Zeit haben wollen für sich und zum Nutzen für andere.
Der Freiwilligendienst muss so bezahlt sein, dass die Freiwilligen mindestens so gut leben wie heute ein Zivildienstleistender. Er muss Berufsperspektiven eröffnen: Wer gedient hat, soll leichter Medizin oder Sozialwesen studieren können, soll der Bewerbungsmappe ein Zertifikat mit Stempel und Bundesadler beiheften können. Und warum sollte sich nicht einer auf Zeit für zwei oder vier Jahre verpflichten können – so wie jetzt ein Zeitsoldat?
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