Mit dem Tatendrang allein gelassen
Welt-Sichten, September 2009, Johannes Schradi
Mehrere Monate, häufig ein Jahr und länger waren die meisten der rund 150 jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Entwicklungsländern gewesen. „Für viele war die Rückkehr ein Kulturschock“, sagt Benjamin Hohlmann vom Netzwerk Idem, das zusammen mit dem Freiwilligenforum grenzenlos e.V. die Konferenz organisiert hat. Sie haben hautnah erlebt, dass es existenziellere Sorgen gibt als die Frage, ob der Krankenkassenbeitrag ein halbes Prozent hoch oder runter geht und auch im Winter jederzeit Erdbeeren verfügbar sind. Der Wunsch sei groß, diese Erfahrungen in den eigenen weiteren Werdegang einzubauen. Nur wie das geschehen kann, da gebe es viele Fragen.
Das Thema hat an Dringlichkeit gewonnen, seit das Entwicklungsministerium (BMZ) 2008 sein Freiwilligenprogramm „weltwärts“ gestartet hat. Das Programm ist stark gefragt. Einige tausend junge Leute sind bereits unterwegs. Bis zu 10.000 Freiwillige im Alter von 18 bis 28 Jahren sollen künftig jährlich mit Hilfe ausgewählter Entsendeorganisationen und dem staatlichen Deutschen Entwicklungsdienst (DED) die Realität in den Entwicklungsländern und -projekten kennenlernen können. Sie alle kommen mit diesen Fragen und Wünschen zurück. „Die zweite große Rückkehrerflut rollt schon“, hieß es im Potsdamer Konferenz-Camp mit einem gewissen Unbehagen. Das Programm versuchte, Orientierung und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

