Glücksmomente in Barcelona

Ibbenbürener Volkszeitung, 30. März 2009

- Zeit um sich selber zu finden, Reisen, eine andere Kultur und Sprache kennen lernen, aus dem Lernalltag rauskommen: Wer findet, dass sich das spannend anhört, der empfindet wie die Grevenerin Evrim Camuz. Evrim ist nun seit ungefähr vier Monaten in der Hauptstadt Kataloniens in Spanien. „Ich bin verliebt in meine Stadt, in Barcelona“, schwärmt Evrim von ihrer derzeitigen Wahl-Heimat.

Nach dem Abitur wusste sie noch nicht so genau, welches das richtige Studium für sie ist. Sie entschied sich deshalb, einen europäischen Freiwilligendienst zu absolvieren. Bereits während der Schulzeit hat sie Auslandserfahrung gesammelt und ging ein Jahr in den Vereinigten Staaten zur Schule. „Es ist einfach eine unglaubliche Erfahrung, man trifft auf eine ganz andere Welt und lernt seine eigenen Grenzen kennen.“Evrim hatte drei Jahre Spanisch-Unterricht in der Schule und hat sich mit der Sprache, aber auch der Kultur des Landes immer gerne auseinander gesetzt. So fiel die Entscheidung nicht schwer, in welches europäische Land sie gehen wollte. „Ich habe die Sache dann einfach selber in die Hand genommen, habe mir im Internet Informationen gesucht, geguckt, welche Projekte und Organisationen es gibt, und dann fing die richtige Arbeit an.“ Das fängt mit Bewerbungen schreiben an. Evrim rät allen, nicht zu schnell aufzugeben, „auch wenn es mal Absagen gibt, wer das wirklich machen will, der findet auch was“

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Im Bundestag notiert: Gesamtkonzept für die Freiwilligendienste

hib-Meldung, 25. März 2009

Auswärtiges/Kleine Anfrage

Berlin: (hib/BOB) Ob die Bundesregierung ein Gesamtkonzept für die Freiwilligendienste verfolgt, möchten die Grünen wissen. Sie haben dazu eine Kleine Anfrage (16/12281) vorgelegt. Darin möchte die Fraktion darüber hinaus erfahren, inwiefern die Einrichtung eines neuen Freiwilligendienstes “kultur” im Rahmen eines solchen Konzeptes erfolgt. Wie die Grünen schreiben, handelt es sich dabei um einen neuen internationalen kulturellen Freiwilligendienst, der jungen Menschen die Möglichkeit geben soll, sich im Ausland für Kultur- und Bildungsarbeit zu engagieren.

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kleine_anfrage_grune_pdf

Welt ein klitzekleines bisschen besser machen

Neue Osnabrücker Zeitung, 25. März 2009, Stefanie Hiekmann

Als Jan-Hendrik Heuer die Zusage Anfang Dezember aus dem Briefkasten holte, war das wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk: Im August darf der 18-jährige Ruller zu einem zwölfmonatigen Freiwilligendienst nach Chile aufbrechen. Als anerkannter Kriegsdienstverweigerer kann er das Programm gleich doppelt nutzen: Denn der Freiwilligendienst erfüllt nicht nur seinen lang gehegten Wunsch eines Auslandsaufenthaltes in Lateinamerika, sondern wird ihm zugleich als „Anderer Dienst im Ausland“ auf seine Zivildienstpflicht in Deutschland angerechnet.Die Plätze solcher Freiwilligendienste sind heiß begehrt: „Auf 25 Stellen hatten wir mehrere Hundert Bewerbungen“, berichtet Klaus Hampe vom evangelisch-lutherischen Missionswerk in Niedersachsen. Eine davon hat Jan-Hendrik bekommen: „Als ich davon gehört habe, dass es Freiwilligendienste gibt, die man sich als Ersatz für den Zivildienst in Deutschland anrechnen lassen kann, war es für mich sofort klar, dass ich es ausprobiere“, sagt der Ruller, der jetzt kurz vorm Abitur steht.

Im Herbst 2008 hatte er an einem Bewerbungstreffen beim evangelischen Missionswerk in Hermannsburg teilgenommen. „Da muss man schon wirklich gut rüberbringen, warum es einem wichtig ist, im Ausland zu helfen“, berichtet Jan-Hendrik. Schwer gefallen sei ihm das jedoch nicht. Schließlich wisse er schon seit der elften Klasse, dass er nach dem Abitur einen sozialen Dienst in Südamerika machen möchte.

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“Taizé ist ein Lebensgefühl”

Neue Westfälische, 24. März 2009, Tyler Larkin

Das Erwachsenwerden bringt neben vielen Privilegien auch einige Pflichten mit sich. Am einschneidensten wirkt sich dabei sicher der Wehr- oder Zivildienst aus. Eine weitere Alternative ist der sogenannte “Andere Dienst im Ausland”. Hauke Hillrichs, Abiturient aus Lübbecke, leistet derzeit seinen Beitrag als volljähriger Staatsbürger in einem “unkonventionellem Kloster” in der französischen Provinz ab.

Taizé ist der Name dieses abgeschiedenen Ortes nördlich von Macon im französischen Burgund. Ein verschlafendes Dorf mit angeschlossenem Kloster, das in den Sommermonaten von rund 200.000 Besuchern bevölkert wird. Geführt wird das Kloster von einem ökumenischem Männerorden.


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“weltwärts”

Beitrag auf SWR 2 Wissen, 19. März 2009, Andreas Boueke

Sie kümmern sich in Guatemala um behinderte Kinder, arbeiten in ökologischen Projekten in Brasilien mit oder helfen beim Ackerbau in Vietnam: 2000 junge Deutsche sind im vergangenen Jahr mit dem Programm „weltwärts“ in wirtschaftlich unterentwickelte Regionen der Welt gereist. Hier leisten die 18- bis 28-Jährigen entwicklungspolitische Freiwilligendienste. Mindestens sechs Monate dauert ein Einsatz; im Mittelpunkt sollen der kulturelle Austausch und die Erfahrung des gemeinsamen Arbeitens stehen. Finanziert wird das Programm aus dem Entwicklungshilfeetat des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Das sorgt für kontroverse Diskussionen. Kritiker hinterfragen die Motivation der jungen Freiwilligen und sind skeptisch, ob die Partnerorganisationen vor Ort wirklich von den Einsätzen profitieren. Andere sehen in „weltwärts“ eine Chance zur entwicklungspolitischen Nachwuchsförderung.

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Afrika-Hilfe umsonst

Berliner Zeitung, 19. März 2009, Frank Nordhausen

Das Kaufhaus im Berliner Osten ist ein wenig heruntergekommen, aber beliebt. “Humana – First Class Second-Hand-Markt auf 4 Etagen”, steht in großen Buchstaben an der bröckelnden Fassade am Frankfurter Tor. Die T-Shirts, Sakkos und Kleider sind dritte Wahl, dafür aber billig. “Außerdem hat man das Gefühl, etwas Gutes zu tun, wenn man hier einkauft”, sagt Mauricio Santamaría. Im Treppenhaus hängen Fotos mit schwarzen Schulkindern aus Mosambik und Sambia, sodass viele Kunden glauben, Humana sei alternative Entwicklungshilfe.

Das hat auch Mauricio Santamaría einmal gedacht. Der 28-jährige Ingenieur, der aus Kolumbien stammt und seit fünf Jahren Deutscher ist, hat anderthalb Jahre für Humana gearbeitet, freiwillig, um sich den Traum von Entwicklungshilfe in Afrika zu erfüllen. Am Ende hatte er das Gefühl, ausgenutzt und in eine Organisation hineingezogen zu werden, die sein ganzes Leben kontrollieren wollte. “Humana wirbt mit scheinbarer Wohltätigkeit junge Leute an”, sagt er. “Und dann kam es mir wie bei einer Sekte vor.”

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Urteilsbegründung

Bundesfinanzhof, Entscheidungsdatum 18. März 2009

1. Kinder, die einen Freiwilligendienst leisten, werden steuerrechtlich nur berücksichtigt, wenn der Dienst die Voraussetzungen des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d EStG in Verbindung mit der jeweiligen Verweisungsnorm erfüllt. Die Vorschrift ist nicht analog auf andere freiwillige soziale Dienste anwendbar.

2. Dienste i.S. des § 14b ZDG sind Dienste im Ausland, die das friedliche Zusammenleben der Völker fördern, von einem nach § 14b Abs. 3 ZDG anerkannten Träger durchgeführt werden und von einem anerkannten Kriegsdienstverweigerer unentgeltlich anstelle des Zivildienstes geleistet werden. Es verstößt nicht gegen Art. 3 GG, dass andere Kinder, die einen vergleichbaren Friedensdienst im Ausland erbringen, nicht berücksichtigt werden.

EStG § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d
GG Art. 3
ZDG § 14b

Urteil vom 18. März 2009 III R 33/07

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All inclusive in die Tropen

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08. März 2009, Anna von Münchhausen

Keine drei Wochen war Rebekka in Nicaragua, als es sie erwischte. An diesem Tag kehrte die Praktikantin aus Darmstadt früher als üblich in ihre Unterkunft bei einer Gastfamilie in dem Dorf Masatepe zurück – um festzustellen, dass ihr Laptop, ihr Camcorder und das Handy verschwunden waren. Keine Einbruchsspuren. „Seltsam“, wunderte sich die Zwanzigjährige. Was folgte, war „Riesenärger“ mit vielen Tränen, Telefonaten, Hinhaltemanövern und einer offenbar nicht besonders eifrigen Polizei. Auf dem Höhepunkt der Verwicklungen fand sich die Deutsche per Taxi nachts unterwegs zu einem stockfinsteren Treffpunkt. Dort warteten Laptop und Camcorder in einem Sack. „Ich habe sehr viel daraus gelernt – nämlich, wie manche Leute da so ticken“, sagt die zierliche junge Frau, die vor einigen Wochen von ihrem Einsatz in Mittelamerika zurückgekehrt ist.

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Nachhaltigkeit lernen / VENRO fordert Chancengleichheit

Neues Verbände Forum, 9. März 2009

Bildung für nachhaltige Entwicklung muss alle jungen Heranwachsenden erreichen und darf sich nicht nur auf eine kleine Bildungselite beschränken. Dies hat der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) und die Arbeitsgruppe Bildung des Europäischen Dachverbandes Entwicklungspolitik CONCORD im Vorfeld der UNESCO-Weltkonferenz zur nachhaltigen Bildung in Bonn gefordert.

“Jeder muss die faire Chance erhalten, am Globalen Lernen teilzunehmen. Das darf nicht von Faktoren wie Bildung, Herkunft oder gar Geschlecht abhängig sein”, so VENRO-Vorstandsvorsitzende Claudia Warning. Entwicklungspolitische Freiwilligenprogramme wie das deutsche “weltwärts”-Programm, sollten deshalb verstärkt junge Menschen aus bildungsfernen Schichten sowie Jugendliche aus Entwicklungsländern integrieren. 90 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an “weltwärts”-Programmen sind Abiturienten. 60 Prozent der Freiwilligen sind Frauen.

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Zwischen Engagement und Übermotivation

Neues Deutschland, 3. März 2009, Kai Walter

Mit Einführung des staatlich geförderten »weltwärts«-Programms, haben sich vor gut einem Jahr die Möglichkeiten eines Engagements im Freiwilligendienst schlagartig geändert. Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste und die Stiftung Nord-Süd-Brücken zogen im Rahmen ihrer kritischen Begleitung der Pilotphase in Berlin eine Zwischenbilanz.

Früher seien Freiwillige oft nur für drei oder sechs Monate gekommen. »Das war eine Beziehung wie Freund und Freundin«, sagte Rose Otieno aus Kenia. Häufige personelle Wechsel in Projekten seien wenig nachhaltig gewesen. Das »weltwärts«-Programm biete die Möglichkeit einer längerfristigen Zusammenarbeit von bis zu zwei Jahren. Dadurch entstünden laut Rose Otieno Beziehungen, die einer Ehe gleichkämen. Andere Vertreter von Partnerorganisationen aus dem Süden fügten hinzu, dass mit »weltwärts« auch eine größere Verbindlichkeit und Standards Einzug in die Entsendung deutscher Freiwilliger gehalten haben. Das sei nach dem ersten Jahr festzustellen.

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