Versöhnung durch Engagement – ehemalige Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste berichten

CaféBabel, 27. Januar 2009, Barbara Wiebking

Vor einer gefühlten Ewigkeit, zu einer Zeit, als Banken noch Geld hatten, als Deutschland rot-grün war, direkt nach der Bush-Wiederwahl, in einer komplett fremden Welt also, ging ich zur Schule. Selbst diese schloss man damals erst nach 13 Jahren ab und dieser Abschluss rückte für mich mit Riesenschritten näher. Irgendwie musste also endlich meine Emanzipation beginnen. Doch wie? Mein Bruder hatte unsere Eltern bereits dadurch geschockt, dass er zum Bund ging. Das fiel für mich also flach, aber auch Nazi oder drogensüchtig wollte ich nicht werden. Es blieb somit nur noch die Flucht in ein fremdes Land: Russland!

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Missionar auf Zeit

Passauer Neue Presse, 26. Januar 2009, Michael Lukaschik

Im Bschoadtücherl, das Dekan Josef Ederer gestern nach dem Gottesdienst an Bernhard Schauberger überreichte, steckt ein Flascherl Bärwurz, ein Stück Geräuchertes – Wegzehrung für den 24-jährigen Studenten, der am 15. Februar in ein Flugzeug steigen wird, das ihn nach Lima (Peru) bringt, von dort wird er dann weiterreisen nach Arequipa, der zweitgrößten Stadt Perus. Keinen Urlaub verbringt der Bioinformatik-Student dort, und mit dem Studium hat sein Aufenthalt auch nichts zu tun. Schauberger wird acht Monate lang in einem Kinderheim der Jesuiten arbeiten, wird »Missionar auf Zeit« sein.
»Mission heißt: Sich öffnen für die anderen«, sagt Carmelo Ramirez. Der Spanier, der seit 32 Jahren in der Nähe von Passau lebt, ist Leiter des Referats »Weltkirche« im Bistum Passau. Und er betreut auch das Programm »Weltwärts«. Das Programm vermittelt Jugendlichen Stellen im Ausland, an denen sie sich für ein soziales Projekt engagieren wollen. Im Gottesdienst hat Ramirez das Projekt vorgestellt. Zurzeit sind 15 junge Menschen aus der Diözese Passau für »Weltwärts« im Einsatz. »Neues wagen, Bequemlichkeiten aufgeben, aus sich herausgehen, aufhören, sich immer nur Gedanken ums eigene Ich zu machen, Menschen in der 3. Welt begleiten und ihnen helfen«, das sind laut Ramirez die Motive der jungen Menschen, die sich für einen Auslandseinsatz entscheiden.

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Markt für Dinge des Lebens

HNA online, 22. Januar 2009, Felicitas Schenk und Damai D. Dewert

Der Winter hat auch Moldawien fest im Griff. Dennoch findet viel Leben unter freiem Himmel statt. Felicitas Schenck ist für ein Jahr als Entwicklungshelferin in dem abwechslungsreichen Land, das zu den ärmsten des Kontinents zählt, zu Gast.

“An Moldawien mag ich unter anderem die Märkte”, sagt die 19-Jährige. Diese haben die ganze Woche über geöffnet.

Dort gebe es so gut wie alles: von Früchten und Gemüse über Kleidung und Schuhe, von Geschirr und Haushaltsgeräten über Vorhänge, Toiletten, Wasserhähne, Lampen, elektronische Geräte und Tiere.

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Entwicklungshilfe in Papua-Neuguinea

Mittelbayerische, 22. Januar 2009

Etwas Neues sehen, eine ganz andere Kultur kennenlernen und dabei Gutes tun? Mit diesem Vorsatz ist Magdalena Kittelmann am Sonntagabend in den Flieger gestiegen. Sechs Monate verbringt die Tochter des evangelischen Pfarrers Ernst Martin Kittelmann am anderen Ende der Welt. Ziel ihrer Reise ist Papua-Neuguinea. In dem Inselstaat im Pazifik wird die 19-Jährige bis Juli im Entwicklungsdienst tätig sein.

Der Zeitpunkt für den Auslandsaufenthalt ist wohlüberlegt. Im Juni vergangenen Jahres hat Magdalena Kittelmann Abitur gemacht. „Ich wollte ins Ausland, bevor ich anfange zu studieren und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun.“ Über Mission „EineWelt“, einer Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, erfuhr die junge Frau vom Freiwilligendienst im Ausland und bewarb sich für ein soziales Jahr im Entwicklungsdienst. Lange Zeit war allerdings unklar, ob es klappt, dass sie nach Papua-Neuguinea gehen kann. Nun war es endlich soweit. Die Zeit bis zu ihrer großen Reise hatte sie mit Praktika überbrückt.

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Entwicklungszusammenarbeit/Antwort

hib-Merldung, 20. Januar 2009

Eine Entscheidung über den Antrag des Vereins “Humana People to People Deutschland e.V.” auf Anerkennung als Entsendeorganisation im Rahmen des Programms “weltwärts” ist noch nicht gefallen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) prüft den Antrag derzeit, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung (16/11537) auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (16/11356). Um eine Teilnahme an dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des BMZ können sich alle gemeinnützigen Hilfsorganisationen mit Sitz in Deutschland bewerben. Der Antwort zufolge wurde noch kein Bewerber abgelehnt. Laut Anfrage der Grünen wurde dem Humana-Vorstand in den 1990er-Jahren vorgeworfen, öffentliche Mittel und Spendengelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben.

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Einmal weltwärts und zurück

Spiegel online, 14.Januar 2009, Christoph Sator

Dieses Programm macht junge Menschen zu Herumtreibern – zu hilfsbereiten: Mit “Weltwärts” arbeiten 18- bis 28-Jährige für ein halbes Jahr zum Beispiel in Mexiko, Guatemala oder Indien. 2000 Jugendliche schickte die Bundesregierung schon auf Reisen, Zehntausende sollen folgen.

Irgendwie sieht Deutschland für Denise Villis, 22, anders aus, seit sie im Ausland war. Ein halbes Jahr lang lebte sie als Entwicklungshelferin in Tapachula, einer 500.000-Einwohner-Stadt im Süden von Mexiko, gleich an der Grenze zu Guatemala. “Dann kam ich zurück, es war so eng. Die Häuser waren hoch. Und alles war sauber, klar und strukturiert.”

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Bundesförderung von Jugendfreiwilligendiensten

hib-Meldung, 12. Januar 2009

Die Bundesförderung von Jugendfreiwilligendiensten ist Thema einer Kleinen Anfrage der FDP-Fraktion (16/11460). Die Liberalen wollen unter anderem wissen, warum der Bund nur die pädagogische Begleitung der Dienste finanzieren dürfe und wie die Angebote attraktiver für benachteiligte Jugendliche und junge Migranten werden könnten.

kleine anfrage der fdp als pdf

Mit Brüsseler Geld einmal um die Welt

Das Parlament, 12. Januar 2009, Kata Kottra

Seit Oktober ist die 19-jährige Stella inzwischen in der spanischen Kleinstadt Alcobendas in der Nähe Madrids. Neun Monate lang soll sie als Teilnehmerin am Europäischen Freiwilligendienst (EFD) im örtlichen Jugendzentrum “IMAGINA Casa de la Juventud” mitarbeiten. “Also am Anfang hab ich echt nur Bahnhof verstanden, aber jetzt geht’s schon so einigermaßen”, schreibt sie in ihrem Blog kurz nach ihrer Ankunft. “Bin jetzt auch echt froh, dass das ganze bürokratische Zeugs erledigt ist, heute waren wir auf der Bank, Konto eröffnen, aufm Rathaus ist auch schon alles ok, neue Handynummer auch schon besorgt, jetzt kann’s also losgehen!!!” Einen Monat später dolmetscht sie bereits zwischen einem spanischen Kollegen und einer isländischen Freiwilligen. Im Jugendzentrum stellt sie den Europäischen Freiwilligendienst vor – in einem zwanzigminütigen Vortrag auf Spanisch.

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Eingetaucht in eine fremde Welt

Badische Zeitung, 8. Januar 2009, Miriam Loos

Etwas mehr als vier Monate bin ich nun schon in Sucre in Bolivien und habe mich sehr gut eingelebt. Nach meinem Abitur habe ich mich dafür entschieden, ein Jahr im Ausland zu verbringen, um ein neues Land und eine neue Kultur kennenzulernen und mein Spanisch zu verbessern. Ich wollte jedoch das Jahr sinnvoll nutzen, um mich sozial zu engangieren und viele neue Erfahrungen zu sammeln. Daher absolviere ich hier einen Freiwiligendienst mit der Organisation “Bolivianisches Kinderhilfswerk”, die am neuen Programm “weltwaerts” des BMZ teilnehmen.

Ich arbeite in einem weitläufigen Projekt namens Cemva (Centro Educativo Multifuncional Villa Armonía, das über Werkstätten, ein Gesundheitszentrum, eine eigene Bäckerei und anderes verfügt, sich aber besonders auf die Schul- und Berufsausbildung von Kindern konzentriert. Die Bevölkerung des Stadtteils besteht nämlich meist aus zugezogenen quetschua-sprachigen Bauern, denen der Verein Cemva versucht, Perspektiven zu eröffnen und eine bessere Zukunft für ihre Kinder zu ermöglichen. Die fortlaufende Finanzierung findet durch zwei deutsche Vereine sowie Privatspenden statt, wobei neue Spender natürlich immer gerne gesehen sind.

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Unter den Schuhputzern von La Paz

Badische Zeitung, 8. Januar 2009

Olivgrün oder Bluejeans? Für Niko Stäger, 21, war das keine Frage, er wollte Zivildienst, am liebsten im Ausland. “In Südamerika geht es nicht so gerecht zu, da kann man auch mal ein Jahr anderen helfen”, sagt er zu den Gründen, warum er sich für den Andenstaat entschied. Nach 13 Monaten in La Paz, der heimlichen Hauptstadt Boliviens, und zwei Monaten Urlaub in Rio ist er wieder in der Heimat. Und schon wieder ist er auf dem Sprung.

Bereits als Schüler wollte Niko Stäger ins Ausland, sprachbegabt ist er ja. Auf dem Schiller-Gymnasium hatte er neben Französisch und Englisch fünf Jahre Spanisch. Seine Einsatzstelle war in der Millionenstadt La Paz in Bolivien, einem Land der Gegensätze, zwischen Arm und Reich, Indios und den Nachfahren der Europäer, und das als erstes Land Südamerikas von einem Indio-Präsidenten regiert wird. In La Paz kümmerte sich Niko Stäger gemeinsam mit zwei weiteren Freiwilligen um junge Bolivianer, meist Indios, die sich mit Schuhputzen ihren Lebensunterhalt verdienten. “Das sind keine Obdachlosen”, erklärt Niko Stäger, “die gehen sogar auf die Schule oder studieren.” Aber da dieser Beruf in der bolivianischen Gesellschaft schlecht angesehen ist, arbeiten die meisten Schuhputzer maskiert. Das hat auch der Offenburger gemacht. Ohne Scheu und mit Achtung und Respekt: “Erst mit dem Rollentausch weiß man, wie die sich fühlen.”

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