Die Welt ist gerade noch genug
zenith, 27. November 2008, Kai Dockhorn und Fabien Marló
Karriere in der Entwicklungshilfe heißt dazugehören – zu einer neuen Industrie-Elite. Schon 18-Jährige sollen bei Einsätzen im fernen Ausland kompetenter werden. Gut tut das vor allem dem eigenen Lebenslauf (…) Diese beiden Wege sprechen meist die Absolventen der einschlägigen Studiengänge an.Seit 2008 soll die weite Welt internationaler Hilfe schon 18-Jährigen im großen Stile nahe gebracht werden. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) will die kommenden Entwicklungshelfer bereits bei der Übergabe der Abiturzeugnisse abholen. Junge und formbare Teenager sollen mit staatlicher Unterstützung in Entwicklungsländern gute Taten vollbringen.weltwärts nennt sich das Experiment treffend. Ziel ist – neben der Hilfe vor Ort – die Qualifikation des Nachwuchses für das entwicklungspolitische Berufsfeld, aber auch eine Stärkung des gesellschaftlichen Engagements.
Freiwilligendienste für Jugendliche sind kein Novum. Doch dass von heute aufmorgen bis zu 10000 Schul- und Berufsabsolventen jährlich in Entwicklungsländer geschickt werden, gleicht einem Quantensprung. Die Auswahl und Vorbereitung geeigneter Kandidaten, sowie die organisatorischen Herausforderungen für die Dienststellen in den Partnerländern sind kaum abzuschätzen. Die Frage nach einem tatsächlichen Mehrwert für die Menschen der „Zielländer“ darf erst gar nicht gestellt werden. Doch wie kann das Pilgern in Projekte in einem fremden kulturellen Umfeld direkt von der Schulbank, mit meist rudimentären Sprachkenntnissen, wenig bis gar keine fachlichen Qualifikationen oder Berufserfahrungen und ungeahnten Problemstellungen für diese Länder von Vorteil sein?

