Heimwärts statt weltwärts
Spiegel online Schulspiegel, 12. Mai 2010, Lenz Jacobsen und Johannes Pennekamp
Sie wollen helfen – jetzt brauchen sie selbst Hilfe. Hunderte Jugendliche planten schon den Abflug ins Ausland, doch jetzt bekommt das Freiwilligenprogramm Weltwärts überraschend elf Millionen Euro weniger als geplant. Scheitert eine schnelle Lösung, schauen viele Abiturienten in die Röhre.
Die Absage kam per E-Mail, sie traf Claudia Depka, 19, wie ein Schlag: “Mir schoss sofort durch den Kopf, dass meine ganze Jahresplanung zerstört ist.” Die zierliche Abiturientin hält die schlechte Nachricht ausgedruckt in den Händen – und erzählt, wie schnell alles ging.Anfang 2010 bewarb Claudia sich für das Entwicklungshilfeprogramm Weltwärts der Bundesregierung. Nach einem Auswahlgespräch bei den katholischen Kolping- Jugendgemeinschaftsdiensten in Köln bekam sie schon im März die schriftliche Zusage, dass sie ab September für ein Jahr in Tansania arbeiten kann. Sofort fing Claudia Depka an, sich vorzubereiten, ließ sich impfen, lernte die Landessprache Kisuaheli. Sie lächelt, fast so, als wäre sie schon auf den Weg nach Ostafrika. Dann verfinstert sich ihre Miene: “Ich hätte nie gedacht, dass die Politik mich als freiwillige Helferin so behandelt.”

