Freiwilligendienste in Deutschland

Aktueller Begriff, Wissenschaftliche Dienste des Bundestages, 18. Februar 2010

Freiwilligendienste sind in Deutschland weit verbreitet. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an junge Menschen und umfasst in der Regel die Altersstufen von 16 bis 30 Jahren. Diese Jugend- freiwilligendienste bieten eine speziell geregelte Form des sozialen Engagements. Tätigkeitsfelder sind soziale und kulturelle Einrichtungen, der Umwelt-, Sport- und Denkmalpflegebereich sowie weitere, je nach Dienstanbieter unterschiedliche Einsatzgebiete. Freiwilligendienste bauen auf ein bürgerliches Engagement auf Zeit. Den Freiwilligen wird die Möglichkeit geboten, Erfahrun- gen vorrangig in sozialen Bereichen zu sammeln und daran zu wachsen.

Aktueller_Begriff_freiwilligendienste

Elf Monate Zivildienst in Jordanien

Schwarzwälder-Bote, 25. August 2009, Vanessa Sandfuchs

Christian Schmid ist einer von vielen Verweigerern. Doch er absolviert seinen Zivildienst nicht in Deutschland, sondern im Rahmen eines »Anderen Dienstes im Ausland« an einer Schule in Jordanien.

Der 19-jährige Christian Schmid entschied sich nach seinem Abitur, für eine Verweigerung und somit dafür Zivildienst zu leisten. »Der soziale Umgang mit Menschen hat für mich eine viel größere Bedeutung, als ein militärischer Dienst bei der Bundeswehr«, begründet er seine Verweigerung.

Schmid war auch sofort klar, dass er seinen Zivildienst nicht in Rottweil oder der Umgebung ablegen würde, sondern irgendwo weiter weg. Hierzu sagt er: »Ich möchte in den elf Monaten, in denen ich den anderen Dienst im Ausland ablege, meinen Horizont erweitern und eine neue Kultur kennenlernen, die mir bisher noch völlig unbekannt war.« Ursprünglich wollte er in ein englischsprachiges Land, um seine Englisch-Kenntnisse zu verbessern. Doch nach dem ersten Infoseminar, gab es für ihn nur noch eine interessante Stelle: eine Schule für Jungen in Jordanien.

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Zum Zivildienst nach Peru

Neue Westfälische Zeitung,21. Juli 2009, Anneke Quasdorf

Maximilian Dornhoff hat sich gegen den Wehr- und für den Zivildienst entschieden. Genau wie viele seiner ehemaligen Klassenkameraden. Allerdings gibt es einen Unterschied: Wenn sie kleine Kinder oder Senioren betreuen, wird Dornhoff tausende Kilometer entfernt über Projekten für den Umweltschutz grübeln. Denn der junge Herforder ist im Freiwilligenprogramm “weltwärts” aufgenommen worden.

Die Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich in entwicklungspolitischen Projekten im Ausland zu engagieren. Entsendeorganisationen in ganz Deutschland kümmern sich um die Freiwilligen. So auch das Welthaus in Bielefeld.

Eine Möglichkeit, von der Dornhoff gleich überzeugt war. “Ich wollte nach dem Abi ins Ausland. Und gleichzeitig etwas bewegen.” Durch eine Veranstaltung in der Schule wurde der 19-Jährige auf “weltwärts” aufmerksam. Nachdem er erfahren hatte, dass er so gleich seinen Zivildienst ableisten konnte, war die Sache entschieden.

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Zum Friedensdienst nach Italien gehen

Offenburger Tageblatt, 20. Juli 2009

Nun kehrt der 20-jährige Philipp Jägle seiner Ichenheimer Heimat für ein Jahr den Rücken. Er wird in Italien einen freiwilligen ökumenischen Friedensdienst absolvieren. Gestern wurde er im Gottesdienst in der Ichenheimer Auferstehungskirche verabschiedet Bereits im vergangenen Jahr war er in den Sommerferien vier Wochen auf den Philippinen, um in einem christlichen Rehabilitierungs-Projekt für ehemalige Drogenabhängige mitzuarbeiten.
Gelernter Bäcker
Die schwierige Arbeit mit jungen Menschen, deren Lebensweg nicht schnurgerade verläuft, hat dem gelernten Bäcker gut gefallen. Deshalb entschloss er sich, nach der bestandenen Prüfung zur Fachhochschulreife ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland zu absolvieren. Dieser freiwillige ökumenische Friedensdienst in Italien zählt für ihn auch als Ersatz für den Zivildienst.

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Experiment Ausland: Von Neuss in die Welt

Westdeutsche Zeitung, 13. Juli 2009, Anna John

Zwei Neusser, zwei Wege. Mirko von Stosch und Vanessa Keil wählten die ganz langen Strecken. Im Rahmen des Projekts „Anderer Dienst im Ausland“ arbeitet der 20-Jährige als Englisch- und Informatiklehrer in der Schule von Puerto Quito.Neuss. „Ich lebe hier in einer komplett anderen Welt, in einem 2300-Seelen-Dorf“, sagt Mirko von Stosch (20). Er isst Meerschweinchen, hört seine Schüler jeden Montag Morgen die National- und Dorfhymne singen, lernt, dass es unhöflich ist, die Schuhe im Haus auszuziehen und erkennt, was Armut ist: „Oft gibt es Brot mit Butter zum Frühstück, manchmal nur Brot ohne alles“, erzählt er. Der Neusser leistet seinen Zivildienst in Ecuador.

Im Rahmen des Projekts „Anderer Dienst im Ausland“ arbeitet der 20-Jährige als Englisch- und Informatiklehrer in der Schule von Puerto Quito. Seine Ambition: „Ich wollte ein neues Land und eine andere Kultur kennenlernen und vor allem helfen.“

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Sie wollen etwas erleben

Offenburger Tageblatt, 9. Juli 2009

Benedikt Siegwart (19) aus Albersbösch hat überlegt, nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium ins Ausland zu gehen, um »etwas zu erleben«. Dann kam ihm die Idee, dies mit dem Zivildienst zu verbinden. Über das Katholische Jugendbüro ist er fündig geworden. Denis Noparlik hat länger überlegt. Als beide voneinander erfuhren, setzten sie sich zusammen und tauschten sich aus.
»Ich will neue Umgebungen kennenlernen«, sagt Siegwart, Er fliegt am 26. Juli ins nordirische Belfast. Dort arbeitet er in einer Einrichtung für Kinder, vergleichbar mit unseren Kindergärten. Als Besonderheit lernen dort vor dem Hintergrund des Nordirlandkonflikts evangelische und katholische Kinder zusammen zu spielen. Dadurch sollen Barrieren zwischen den Konfessionen abgebaut werden.

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Friedensdienst EIRENE seit zehn Jahren in Rumänien tätig

Siebenbürgische Zeitung, 4. Juli 2009, Doris Roth

Sarah hat ihren Freiwilligendienst in Fogarasch geleistet, Marius leistet ihn in Hermannstadt, Miriam in Klausenburg, Felizitas in Fogarasch und Jelena in Lupeni. Fünf junge Menschen, die sich dazu entschieden haben, über den Verein EIRENE ihre Fähigkeiten in sozialen Projekten in Rumänien einzubringen und mit Kindern, Jugendlichen, Alten und Behinderten zu arbeiten, „um ihre Solidarität mit Menschen in Not zum Ausdruck zu bringen“, wie der Verein eines seiner Ziele formuliert.
EIRENE wurde 1957 von Christen verschiedener Konfessionen gegründet und ist ein „ökumenischer, internationaler Friedens- und Ent­wicklungsdienst“, der „sich der Idee der Ge­- waltfreiheit verpflichtet fühlt“ und „ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben setzen will“. 1977 begann der Verein mit der Vermittlung von Freiwilligen in soziale Projekte in Europa, Kanada und den USA, vor einigen Jahren ka­men dann Freiwilligendienste in Osteuropa, La­tein­amerika und Afrika dazu. Nach Rumänien wurden die ersten Freiwilligen 1999 entsendet, die dort unter anderem in der Arbeit mit Straßenkindern und in der Kooperation mit Roma-Gruppen eingesetzt werden.

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Reiche Erfahrungen in armen Ländern

Passauer Neue Presse, 3. Juli 2009

Schulabschluss, Ausbildung oder Studium, Karriere – die Lebensläufe junger Erwachsener sind häufig nahezu identisch. Die beiden 19-jährigen Regener Theresa Stamm und Lorenz Bitsch haben erst einmal andere Pläne: Die beiden frisch gebackenen Abiturienten wollen hinaus in die Welt. Über das Weltwärts-Programm des Bundes gehen sie für ein Jahr ins Ausland – Theresa nach Afrika, Lorenz nach Südamerika.
Gelassenheit und Improvisationstalent gehören in das Gepäck jedes Reisenden. Und wer in ein Entwicklungsland reist, der braucht vielleicht die doppelte Menge davon. Das erfährt Theresa Stamm schon vor dem Start ihrer Reise. Für Übermorgen ist ihr Flug nach Tansania gebucht. Auf ihr Arbeitsvisum wartet sie noch immer. »Dann flieg’ ich halt eine Woche später«, sagt sie lächelnd als ginge es um einen Ausflug nach München.

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Buenos dias Pampa

Stuttgarter Zeitung, 16. Juni 2009, Kai Behrmann

Er hat die Rems gegen den Rio de la Plata eingetauscht. Stephan Liebscher aus Waiblingen macht ein freiwilliges soziales Jahr in Argentinien und kümmert sich um die Slumkinder von Buenos Aires.Die Buben aus dem Armenviertel La Cava heben beim Einsteigen demonstrativ ihre Flaschen in die Höhe. Der 21-jährige Deutsche steht an der Schulbustür und kontrolliert seine Schützlinge. Wer beim Fußballtraining mitmachen will, muss drei Voraussetzungen erfüllen: “Ausreichend zu trinken dabeihaben, pünktlich sein und Sportkleidung tragen”, sagt Stephan Liebscher. Dass die Regeln nicht immer eingehalten werden, hat er schnell erkannt. Wenn ein Junge in Jeans erscheint, weil die Sporthose kaputt ist, drückt Liebscher ein Auge zu. “Vielen Eltern fehlt das Geld, um neue Kleider für ihre Kinder kaufen zu können”, sagt Liebscher.

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Kontrast zwischen Arm und Reich

Anstelle seines Zivildienstes absolviert der Waiblinger seit August 2008 ein freiwilliges soziales Jahr vor den Toren der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Der Kontrast zwischen Arm und Reich, der das Anfang des 20. Jahrhunderts noch zu den zehn wohlhabendsten Ländern der Welt zählende südamerikanische Land prägt, ist hier allgegenwärtig. Statt an gepflegten Einfamilienhäusern führt Liebschers täglicher Weg zur Arbeit an notdürftig zusammengezimmerten Wellblechhütten vorbei. Eine Kanalisation gibt es nicht. Die Abwasserbrühe fließt in Rinnsalen über den staubigen Boden.

Die 15.000 Bewohner von La Cava, einem der größten Slums in Argentinien, leben in unmittelbarer Nähe der Villen des Nobelvororts San Isidro. An den Zugangsstraßen stehen mit Gewehren und kugelsicheren Westen ausgestattete Polizisten und Soldaten. Im April versuchten die Bewohner von San Isidro, sich zusätzlich mit dem Bau einer Mauer vor Übergriffen ihrer notleidenden Nachbarn zu schützen. Das Projekt wurde mittlerweile von der Politik gestoppt.

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Der Reiz liegt in der Fremde

Schweriner Zeitung, 5. Juni 2009, Sarah Grützmacher/ Charlotte Quandt

Die unbekannte, aufregende Ferne lockt jährlich zahlreiche Schüler zu einem Aufenthalt im Ausland. Besonders beliebt ist Australien. In diesem Jahr nutzen gleich vier Abiturienten den Abenteuertrip.

Thomas Hamann aus Bützow kann sich einen Traum erfüllen. Er ist einer der wenigen Auserwählten, die ihr “Freiwilliges Soziales Jahr” (FSJ) in Australien machen dürfen. Dort möchte er als Zivildienstersatz ein “Soziales Bildungsjahr” absolvieren. Der Verein “Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners” bietet Kriegsdienstverweigerern seit fast 15 Jahren die Möglichkeit, Sozialdienste im Ausland zu absolvieren. “Ich wollte am liebsten nach Australien. Das ist schön weit weg, aber der Kulturschock wird nicht ganz so groß”, erklärt der 18-Jährige.

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