„Weltwärts nutzlos“

Frankfurter Rundschau, 2. September 2010

Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck und der frühere CDU-Entwicklungsexperte Winfried Pinger fordern das Ende des Programms „Weltwärts“, das ein ´”Tourismus-Programm für junge Leute” sei.

Ein Ende des von der Bundesregierung im Jahr 2008 begonnenen entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „Weltwärts“ haben Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck und der frühere Entwicklungsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Winfried Pinger, gefordert. „Das Programm ist ein über Steuergelder finanziertes Tourismus-Programm für junge Leute, die in der Regel noch nichts gelernt haben“, sagte Neudeck. Geholfen werde nicht den Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika. „Wir helfen mit dem Programm uns selbst.“

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Leben lernen

Süddeutsche Zeitung, 6. August 2010, Charlotte Frank

dealismus oder Gutmenschentum? Immer mehr junge Leute sehnen sich danach, die andere Seite der Realität kennenzulernen und engagieren sich im In- oder Ausland.

Grenzen, sie kann ihre Geschichte nicht erzählen, ohne das Wort immer wieder hervorzuholen und Grenzen in ihre Sätze einzubauen, dabei ist sie damals doch nur ins Nachbarviertel gegangen. “Ich bin noch nie in meinem Leben so an meine Grenzen gekommen”, sagt Birte Weber über ihr soziales Jahr in einem Hamburger Altenheim, sie sagt aber auch, dass sie nie so viele Grenzen zu anderen Menschen abgebaut hat. Musste sie ja – ihre Tage bestanden aus Füttern, Waschen, Windeln. Oft, sagt Birte, war sie darüber grenzenlos unglücklich. So, dass sie alles hinwerfen wollte? Sie schüttelt den Kopf: Dazu hätte sie zu sehr um den Platz gekämpft.

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Einladung zur Fachtagung “Chancen und Risiken des Web 2.0 für internationale Freiwilligendienste”, grenzenlos e.V.

Web 2.0: Das „Mitmach“-Internet wird auch in internationalen Freiwilligendiensten immer präsenter:
Freiwillige schreiben Blogs, in denen sie über ihr Arbeiten und Leben im Ausland berichten. Entsendeorganisationen betreiben Online-Spendenakquise. Freiwillige vernetzen sich in sozialen Netzwerken wie Facebook oder der Freiwilligen-Community volunity.net. Entsendeorganisationen können von ehemaligen Freiwilligen bewertet werden und die Ergebnisse zur Qualitätsentwicklung nutzen. Die Anwendungsmöglichkeiten des Web 2.0 sind auch in internationalen Freiwilligendiensten vielfältig und manchmal kontrovers. Experten aus Praxis und Wissenschaft gehen der Frage nach, welche Chancen diese Entwicklungen bieten, beleuchten aber auch die damit verbundenen Risiken des Web 2.0. Zudem werden konkrete Anwendungsmöglichkeiten vorgestellt, die sich an Entsendeorganisationen und/oder Freiwillige richten. Demnach ist der Fachtag sowohl adressiert an Vertreter von Entsendeorganisationen als auch an interessierte ehemalige Freiwillige. Erstmals wird das Bewertungsportal MeinFreiwilligendienst.de einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Das Programm sieht außerdem Austausch- und Diskussionsmöglichkeiten über Sinn und Unsinn von 2.0 in internationalen Freiwilligendiensten vor. Der Fachtag findet statt im Umfeld der Rückkehrerkonferenz „undjetzt?!“. Wir freuen uns auf Ihre/Deine Teilnahme!

weitere Informationen

400 Besucher informieren sich über Freiwilligenarbeit im Ausland

Hannoversche Allgemeine, 10. Dezember 2009, Julia Sellner

Nie wird er das Jahr in Brasilien vergessen, wird sich immer an die Gastfreundschaft, die Herzlichkeit und die positive Lebenseinstellung der Menschen erinnern: Für den 19-jährigen Max Frömling war die Entscheidung, nach dem Abitur als Freiwilliger ins Ausland zu gehen, die wohl beste in seinem Leben. Von seinen Erfahrungen berichtete der Laatzener am Donnerstag beim landesweiten Informationstag „weltwärts und zurück!“, zu dem der Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN) mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in den Pavillon eingeladen hatte. Den zahlreichen interessierten Besuchern aus ganz Niedersachsen – rund 400 kamen insgesamt – berichtete Max Frömling in einem von rund 20 Workshops von seiner Arbeit in einer brasilianischen Schule, aber auch von „weltwärts“, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des BMZ. Über die seit 2008 bestehende Dachorganisation, die derzeit mit 216 Entsendeorganisationen zusammenarbeitet, hatte der Laatzener das geeignete Projekt für sich gefunden und wurde von ihr während seines Aufenthalts im Ausland finanziell unterstützt. „Durch die Zusammenarbeit mit ,weltwärts‘ konnte ich mir das Jahr sogar als Zivildienst anrechnen lassen“, sagt Frömling, der in Brasilien sein Sprachtalent entdeckt hat und nun interkulturelle Sprachwissenschaften studieren will.

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Handbuch “Weltentdecker” Tipps für ein Jahr im Ausland

Berliner Morgenpost, 5. November 2009

Das Abi in der Tasche – und dann? Das ist meist der Moment, in dem sich viele junge Menschen für ein Jahr im Ausland entscheiden. Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie verwirrend. Au-Pair-Mädchen in London, Farmarbeiter in Irland, ein freiwilliges soziales Jahr in Lateinamerika oder Jugendcamp-Mitarbeiter in Kanada – wer eine praktische Übersicht über die aktuellen Angebot sucht, findet Hilfe im “Handbuch Weltentdecker. Der Ratgeber für Auslandsaufenthalte” aus dem weltweiser-Verlag (256 Seiten, 14.80 Euro). In dem Buch sind nicht nur die verschiedenen Veranstalter für die jeweiligen Programme aufgelistet. Die Autoren, die meist selbst längere Zeit im Ausland gelebt haben, erklären zudem jedes Programm im Detail, gehen auf Kosten und Voraussetzungen ein, und geben Tipps aus eigenen Erfahrungen.

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Abschied vom Zivildienst

Süddeutsche Zeitung, 3. November 2009, Matthias Drobinski

Es ist eine Ironie der Geschichte: Der Zivildienst ist zum wichtigsten Argument geworden, die Wehrpflicht beizubehalten. Die neue schwarz-gelbe Koalition will die Wehrpflicht auf sechs Monate begrenzen, da grummelt es ein bisschen in der Bundeswehr. (…)Bundesagentur für freiwillige Dienste

Die Profis sind teuer, vor dem Pflichtjahr steht die Verfassung, und so wäre es am besten, wenn ein gestärkter Freiwilligendienst das Erbe des Zivildienstes antreten könnte. Bereits jetzt gibt es das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr, bereits jetzt gibt es dort mehr Bewerber als Stellen. Das Bundesamt für den Zivildienst könnte zur Bundesagentur für freiwillige Dienste werden, die verschiedenen Sozialträger koordinieren, Standards sichern, Aus- und Weiterbildungen organisieren. Ein Freiwilligendienst muss attraktiv sein für Jugendliche, die nach Schule oder Ausbildung ein Jahr Zeit haben wollen für sich und zum Nutzen für andere.

Der Freiwilligendienst muss so bezahlt sein, dass die Freiwilligen mindestens so gut leben wie heute ein Zivildienstleistender. Er muss Berufsperspektiven eröffnen: Wer gedient hat, soll leichter Medizin oder Sozialwesen studieren können, soll der Bewerbungsmappe ein Zertifikat mit Stempel und Bundesadler beiheften können. Und warum sollte sich nicht einer auf Zeit für zwei oder vier Jahre verpflichten können – so wie jetzt ein Zeitsoldat?

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Eine Welt – Eine Zukunft: weltwärts – Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst, der die (eigene) Welt verändert?!

Veranstaltungshinweis für den 10. September, Deutscher Entwicklungsdienst

Mit weltwärts können junge Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren für 6 bis 24 Monate einen Freiwilligendienst in Entwicklungsländern leisten. Das Programm wurde im Januar 2008 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen und seither sind mehr als 3000 Freiwillige ausgereist. In der Diskussion wird der Frage nachgegangen, ob und wie sich der Blick auf das eigene Leben verändert, wenn man eine Zeit lang in einem Entwicklungsland gearbeitet hat.

18 Uhr/Einlass und Informationsstände: Verschiedene Entsendeorganisationen stellen den Freiwilligendienst vor

19 Uhr/Podiumsdiskussion: Gäste sind die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, der Geschäftsführer des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED), Dr. Jürgen Wilhelm, das Vorstandsmitglied der Freiwilligenorganisation grenzenlos e.V., Christian Wienberg sowie drei zurückgekehrte weltwärts-Freiwillige. Das Publikum ist herzlich eingeladen, sich in die Diskussion einzumischen und eigene Meinungen, Ideen und Visionen beizusteuern.
Im Anschluss werden neben dem Markt der Möglichkeiten verschiedene Imbiss-Stände im Foyer geöffnet haben.

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Und Jetzt? Ganz einfach: Jetzt erst recht!

Politik Orange, 4. August 2009

Wer ein Jahr Freiwilligendienst im Ausland hinter sich hat, der kehrt nicht nur mit einem Stapel dreckiger Wäsche im Gepäck wieder, sondern vor allem mit ganz vielen, ganz neuen, ganz anderen Eindrücken. Doch wohin damit?

Daheimgebliebenen von ferner Exotik vorschwärmen? Wenig Chance auf Erfolg. Wer sich seit einem Jahr durch den Bachelor quält, kann die Abenteuer eines Auslandsjahres wahrscheinlich wenig nachvollziehen. Denn Erlebnisse muss man vor allem erst einmal erleben, um darüber sprechen zu können.

Genau so ein gesuchtes Sprachrohr will die Rückkeherekonferenz „Und Jetzt?“ auch sein. Teilnehmer Bernd, der als Freiwilliger in Boliwien war, erhofft sich viel von dem Treffen. „Mir ist es wichtig, dass mein Leben jetzt nicht einfach wieder auf die normale Schiene rutscht. Ich will von den Erfahrungen, die ich gemacht habe, etwas an andere weitergeben, selbst etwas behalten. Ich wünsche mir auch eine Orientierungshilfe, wie es in Zukunft weitergehen könnte.“ Die Veranstaltung gefalle ihm sehr gut, weil er viel Input bekomme, aber auch und gerade wegen der Leute, die er treffe, mit denen er seine Erfahrungen teilen könne. „Jeder von uns wird hier viel mitnehmen. Ich finde vor allem die Intensität der Veranstaltung unglaublich stark, dadurch, dass wir ca 150 Teilnehmerzahl haben, hat man die Chance, sich besser kennen zu lernen.“

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Bonn: weltwärts-Konferenz zum Freiwilligendienst im Ausland

Bonner Presseblog, 29. Mai 2009

Deutsche Teilnehmer am Freiwilligendienst im Ausland sind hoch motiviert – und gelegentlich „unsensibel“

Lob und Kritik für deutsche Teilnehmer beim „Freiwilligendienst im Ausland“ hatten die internationalen Partnerorganisationen der „weltwärts“-Konferenz in Bonn. „weltwärts“ ist ein neuer entwicklungspolitischer Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Junge Menschen können sich mit finanzieller Unterstützung für 6 bis 24 Monate ehrenamtlich in Entwicklungsländern engagieren. Das Programm wird unter anderem von der interkulturellen Austauschorganisation Experiment e.V. in Bonn und weiteren zivilgesellschaftlichen Entsendeorganisationen im partnerschaftlichen Dialog mit den Projektpartnern vor Ort durchgeführt.

Als Ausrichter der Konferenz lud Experiment e.V. vom 18. bis 21. Mai 2009 22 Teilnehmer aus Afrika, Asien und Lateinamerika in die Bundesstadt ein – für viele war es der erste Aufenthalt in Deutschland. Sie alle lobten einstimmig das großartige Engagement und die Motivation der freiwilligen Helfer. Beispielhaft wurde ein Projekt in Argentinien hervorgehoben. Während eines sechs Monate langen Aufenthaltes betreuten zwei junge Frauen 40 Kinder im Alter von 3 bis 9 Jahren und vermittelten wichtige Dinge des Alltags. Aus eigener Initiative renovierten die zwei ein leerstehendes Gebäude, handelten mit nahegelegenen Lebensmittelhändlern großzügige Konditionen aus und richteten eine kleine Suppenküche ein, in der die Kinder jeden Morgen ein nahrhaftes Frühstück erhalten. Das Projekt „La Casita del Quirquincho“ wurde so angelegt, dass eine Weiterführung gewährleistet ist.

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Afrika-Hilfe umsonst

Berliner Zeitung, 19. März 2009, Frank Nordhausen

Das Kaufhaus im Berliner Osten ist ein wenig heruntergekommen, aber beliebt. “Humana – First Class Second-Hand-Markt auf 4 Etagen”, steht in großen Buchstaben an der bröckelnden Fassade am Frankfurter Tor. Die T-Shirts, Sakkos und Kleider sind dritte Wahl, dafür aber billig. “Außerdem hat man das Gefühl, etwas Gutes zu tun, wenn man hier einkauft”, sagt Mauricio Santamaría. Im Treppenhaus hängen Fotos mit schwarzen Schulkindern aus Mosambik und Sambia, sodass viele Kunden glauben, Humana sei alternative Entwicklungshilfe.

Das hat auch Mauricio Santamaría einmal gedacht. Der 28-jährige Ingenieur, der aus Kolumbien stammt und seit fünf Jahren Deutscher ist, hat anderthalb Jahre für Humana gearbeitet, freiwillig, um sich den Traum von Entwicklungshilfe in Afrika zu erfüllen. Am Ende hatte er das Gefühl, ausgenutzt und in eine Organisation hineingezogen zu werden, die sein ganzes Leben kontrollieren wollte. “Humana wirbt mit scheinbarer Wohltätigkeit junge Leute an”, sagt er. “Und dann kam es mir wie bei einer Sekte vor.”

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