Weltwärts-Freiwilligendienst wird zu Resozialisierungs-Programm erweitert

Berliner Echo, 1. April 2012

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts soll zu einem Resozialisierungsprojekt für junge deutsche Neonazis erweitert werden. Dies planen Fachpolitiker der Regierungskoalition, die sich dabei auch auf die Ergebnisse einer Evaluierungsstudie berufen. Ein entsprechender Antrag der CDU/CSU- und FDP-Fraktion soll in diesen Tagen beim Bundestag eingebracht werden. In dem vertraulichen Entwurf, der unserer Redaktion vorliegt, heißt es: Ein NPD-Verbot scheint derzeit wenig aussichtsreich und auch das Versagen der Verfassungsschützer zeige, dass es neuer innovativer Programme zur Resozialisierung von jugendlichen Neonazis in Deutschland bedarf. Das weltwärts-Programm, ein internationaler Freiwilligendienst des Entwicklungsministeriums für Menschen von 18 bis 28 Jahren, sei dafür ideal. Weltwärts ist ein interkultureller Lernort. Wo, wenn nicht im Kontakt mit fremden Kulturen können deutsche Rechtsradikale Vorurteile abbauen und auf den richtigen Weg gebracht werden?, so die Formulierung des Antrages. Die umfangreiche Evaluierungsstudie zu weltwärts, die seit Ende 2011 vorliegt, habe nicht zuletzt das Potential für ein derartiges Resozialisierungsvorhaben aufgezeigt. Besonders die qualitativ hochwertige pädagogische Begleitung während des Einsatzes und die Möglichkeiten der durchführenden Entsendeorganisationen, die jungen Rechten nach Ihrer Rückkehr in zivilgesellschaftliches Engagement zu integrieren, ließen auf Erfolge hoffen, heißt es.
Ein Sprecher des BMZ bestätigte gestern das Projekt: Ja, wir wollen weltwärts für diese wichtige gesellschaftliche Aufgabe öffnen. Im Ministerium sei das Vorhaben sofort auf offene Ohren gestoßen. Wir erhoffen uns viele Synergie-Effekte, so der Sprecher, Wolf Teltemeier, weiter. Man erreiche damit besonders spezifische Zielgruppen, was dem Programm bisher nicht gelungen sei. Man wolle schließlich den Querschnitt der Bevölkerung bei weltwärts abbilden. Außerdem sei dafür eine bisher nie dagewesene Kooperation zwischen unterschiedlichen Ministerien geplant, von der alle nur profitieren könnten. In das Projekt soll neben dem Entwicklungsministerium (BMZ) auch das Jugendministerium (BMFSFJ), das Innenministerium (BMI) und der Bundesverfassungsschutz eingebunden werden.

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Gute Reise

Frankfurter Rundschau, 30. Juli 2011

Irgendwann stand Jekaterina vor ihrer Klasse und war plötzlich sprachlos. Sprachlos im Wortsinne denn die einzige Möglichkeit, sich ihren Schülern verständlich zu machen, hatte gerade den Raum verlassen. Und ohne Dolmetscherin eine Gruppe buddhistischer Novizenmönche im thailändischen Bergland zu unterrichten, stellte die 22-Jährige aus Köln vor ernsthafte Probleme.

Eigentlich wollte Jekaterina im Dezember 2010 nur eine Freundin in Korea besuchen und fremde Kulturen kennenlernen. Sie wollte sich etwas gönnen nach den bestandenen Bachelor-Prüfungen an der Universität. Zusätzlich aber wollte sie noch etwas Sinnvolles machen, erzählt sie. Und so buchte sie zwei Wochen Freiwilligenarbeit bei Travelworks.

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Staats­sekretär Hans-Jürgen Beerfeltz besucht die “weltwärts”-In­for­ma­tions­ver­an­stal­tung der Wirt­schafts­junioren Heilbronn

Pressemeldung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 9. Juli 2011

Der Staats­sekretär im Bundes­mini­sterium für wirt­schaft­liche Zu­sammen­arbeit und Ent­wick­lung (BMZ), Hans-Jürgen Beerfeltz, hat heute die “weltwärts”-In­for­ma­tions­ver­an­stal­tung der Wirt­schafts­junioren Heil­bronn be­sucht. Die Wirt­schafts­junioren sind mit rund 10.000 aktiven Mit­gliedern aus allen Bereichen der Wirt­schaft der größte Verband junger Unter­nehmer und Führungs­kräfte in Deutschland.

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Zum Nutzen der Allgemeinheit

Frankfurter Rundschau, 22. Dezember 2010, Steven Geyer

Der Freiwilligendienst, den die Bundesregierung einführt, ist auch eine Chance. Unsere Gesellschaft kann diese Form des Engagements brauchen.

Alle Alarmglocken sollten schrillen, wenn deutsche Politiker das bürgerschaftliche Engagement fördern wollen oder vom ach so selbstverständlichen Sozial-Engagement der Amerikaner schwärmen. Denn in den USA überließ es der Staat seit jeher den Bürgern und Kirchen, sich um Arme, Kranke und Abgehängte zu kümmern. Diese Kultur des freiwilligen Engagements wird hierzulande immer dann beschworen, wenn es um die Ausdünnung des Sozialstaats geht, dessen Lücken dann ja freiwillige und nur symbolisch bezahlte Helfer in Pflegeheimen, Kindergärten oder Kliniken füllen könnten.

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Tourismusprogramm für Abiturienten oder Entwicklungshilfe?

Sendung auf Deutschlandfunk, 18.Dezember 2010, Manfred Götzke

Junge Menschen können dabei für mindestens ein halbes Jahr in einem Entwicklungshilfe-Projekt im Ausland arbeiten. Mehr als 10.000 haben das schon getan. Drei Viertel der Kosten für Flug und Unterkunft trägt der Staat, genauer das Entwicklungsministerium.

Und genau da setzt die Kritik vieler Entwicklungshilfe-Experten an. Sie sagen: Das Programm mag für die Freiwilligen eine tolle Sache sein – mit Entwicklungshilfe habe das Ganze aber gar nichts zu tun. Freiwillige würden nach dem Abitur ohne Qualifikation Sprachkenntnisse in ferne Länder geschickt. Sie halten die Entwicklungshelfer vor Ort eher von ihrer Arbeit ab – statt zu helfen.

PISAplus fragt nach, was genau “Weltwärts” bringen kann – den Freiwilligen, aber auch den Entwicklungsländern.

Gesprächsgäste sind:

- “Weltwärts”-Programm Koordinatorin Karin Schüler vom Weltwärts-Sekretariat
- Kurt Gerhardt, Journalist, Ex-DED Koordinator und Weltwärts-Kritiker
- Tobias Berger, er war 2008 nach dem Abitur mit dem Programm in Tansania und hat in einer Sonderschule als Hilfslehrer gearbeitet.
- Julien Firlus, er ist mit “Weltwärts” in Brasilien und arbeitet in einer Betreuungseinrichtung für behinderte Menschen
- Valerie Steinkamp, sie ist mit “Weltwärts” in Ecuador und arbeitet in einem Kinderheim

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Zehntausendster weltwärts-Freiwilliger

Magazin zur Entwicklungspolitik, Nr.92 11/2010

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel verabschiedete in Berlin den zehntausendsten “weltwärts”-Freiwilligen Christian Päßler. “weltwärts” ist ein Freiwilligenprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). In erster Linie sei “weltwärts” ein Lernprogramm. “Es sensibilisiert die Jugendlichen für entwicklungspolitische Themen und liefert Erfahrungen fürs ganze Leben”, betont Niebel.

Die Welt verstehen – weltwärts gehen

Trinkwasser, täglich Brot oder der Bolzplatz nebenan oft wirft man jungen Menschen vor, dies alles nicht zu schätzen. Doch viele Jugendliche wissen über die Probleme in der Welt. Sie wissen aber auch, dass reden allein nicht viel bringt.

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Junge Helfer braucht die Welt

Berliner Zeitung, 22. November 2010, Mareike Dottschadis

Diese 13 Monate werden die wichtigsten in ihrem bisherigen Leben sein. Dem stimmen die meisten Freiwilligen zu, die kurz vor einem Auslandseinsatz stehen. Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) sah das immer so. Mit dem Programm “weltwärts” fördert es junge Menschen, die einen Freiwilligendienst im Ausland leisten. Doch aus dem erklärten Ziel, bald bis zu 10 000 Jugendliche pro Jahr zu schicken, ist ein Feilschen um jeden Platz geworden. In den nächsten Wochen wird das BMZ die Höhe der Gelder für den Jahrgang 2011 bekannt geben. Eines ist schon jetzt klar: Es wird weit weniger finanzielle Unterstützung geben als im vergangenen Jahr.

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Mit jugendlichem Elan

Deutsche Welle, 10. November 2010, Marcel Fürstenau

Ein Jahr im Ausland, davon träumen viele junge Menschen. Oft scheitert das Vorhaben am Geld. Wer kostenlos verreisen und dabei noch Gutes tun möchte, für den ist das Freiwilligen-Programm “Weltwärts” eine Alternative.
Das Programm gibt es zwar erst seit 2008, doch kaum zwei Jahre später kann Entwicklungsminister Dirk Niebel bereits den zehntausendsten Teilnehmer entsenden. Christian Päßler aus Zwickau wird im Rahmen des Freiwilligendienstes “Weltwärts” ein Jahr in Südafrika verbringen. Was Päßler vor sich hat, haben rund 5700 Freiwillige schon hinter sich: Sie waren mindestens sechs Monate und längstens zwei Jahre in einem Entwicklungs- oder Schwellenland.

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Bundes ent wick lungs minister Dirk Niebel ent sen det den zehn tau­sendsten weltwärts-Freiwilligen

BMZ-Meldung, 9. November 2010

Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, verabschiedet heute in Berlin den zehntausendsten weltwärts-Freiwilligen in seinen Dienst. Christian Päßler aus Zwickau wird noch am selben Abend ins Flugzeug steigen und seinen weltwärts-Dienst in Südafrika beginnen. Sein Aufenthalt in Südafrika wird von der Organisation Econtur in Bremen begleitet. Herr Päßler wird in Isithumba in der Nähe von Durban für ein Jahr in einem Skate Camp mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst “weltwärts” richtet sich an junge Menschen im Alter zwischen 18 und 28 Jahren, die nach Schule oder Ausbildung für 6 bis 24 Monate in Entwicklungs projekten mitarbeiten. “weltwärts” versteht sich als Lerndienst, der den interkulturellen Austausch mit Partnern in Entwicklungs ländern ermöglicht und dadurch das entwicklungs politische Engagement gerade junger Menschen nachhaltig fördert. Zurück in Deutschland leisten die Freiwilligen durch die Weitergabe ihrer Erfahrungen und durch ihren persönlichen Einsatz für die Gastländer einen wertvollen Beitrag zur entwicklungspolitischen Sensibilisierung in unserer Gesellschaft.

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Abenteuerurlaub auf Staatskosten?

Spiegel Online, 8. November 2010, Sebastian Erb

(…)Tausende solcher Stellen im Ausland finanziert die Bundesrepublik für ihre jungen Bürger, gleich mehrere Bundesministerien bieten Programme an. Auslandsdienste – auch als Ersatz für den Zivildienst – gibt es zwar schon länger, aber jetzt sind sie ein staatlich gefördertes Massenphänomen. Vor drei Jahren schickte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit dem “Weltwärts”-Programm zum ersten Mal junge Leute in Entwicklungsländer, 4400 sind es in diesem Jahr.

Durcheinander von staatlich geförderten Freiwilligendiensten

Das Programm erfreut sich großer Nachfrage – und ist immer wieder Kritik ausgesetzt: Leisten die jungen Freiwilligen einen sinnvollen Beitrag in der Entwicklungshilfe? Oder wird ihnen vom Staat ein Abenteuerurlaub in der Armut bezahlt?

Seit 2009 reisen Jugendliche fürs Auswärtige Amt unter dem Namen “Kulturweit” in die Ferne, knapp 400 sind es 2010. Das “pädagogisch begleitete” Programm samt Vor- und Nachbereitungsseminar wirbt auf bunten Fotos mit Einsatzgebieten von China bis Costa Rica. Nach Auffassung der Diplomaten bringen Freiwilligendienste “eine Menge Spaß” und helfen “die fremde wie auch die eigene Kultur kritisch zu hinterfragen”.

Auch das Familienministerium will nicht fehlen. Ab Januar bietet Ministerin Kristina Schröder (CDU) einen eigenen “Internationalen Jugendfreiwilligendienst” an. Damit sollen pro Jahr 1200 junge Menschen in die Welt geschickt werden. Förderung: 250 Euro pro Kopf und Monat. Das FSJ im Ausland, auch beim Familienministerium angesiedelt, besteht daneben weiter.

Die staatlich geförderten Freiwilligendienste bilden eine unübersichtliche Gemengelage (…)

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