Leben lernen

Süddeutsche Zeitung, 6. August 2010, Charlotte Frank

dealismus oder Gutmenschentum? Immer mehr junge Leute sehnen sich danach, die andere Seite der Realität kennenzulernen und engagieren sich im In- oder Ausland.

Grenzen, sie kann ihre Geschichte nicht erzählen, ohne das Wort immer wieder hervorzuholen und Grenzen in ihre Sätze einzubauen, dabei ist sie damals doch nur ins Nachbarviertel gegangen. “Ich bin noch nie in meinem Leben so an meine Grenzen gekommen”, sagt Birte Weber über ihr soziales Jahr in einem Hamburger Altenheim, sie sagt aber auch, dass sie nie so viele Grenzen zu anderen Menschen abgebaut hat. Musste sie ja – ihre Tage bestanden aus Füttern, Waschen, Windeln. Oft, sagt Birte, war sie darüber grenzenlos unglücklich. So, dass sie alles hinwerfen wollte? Sie schüttelt den Kopf: Dazu hätte sie zu sehr um den Platz gekämpft.

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Ausbau der Jugendfreiwilligendienste

Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der SPD zum Ausbau der Jugendfreiwilligendienste, 1. März 2010

Jugendfreiwilligendienste sind eine besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements und verbessern die Bildungsfähigkeit der Jugendlichen. Im Übergang zwischen Jugend- und Erwachsenenphase eröffnen sie jungen Men- schen die Chance persönlicher und beruflicher Orientierung. Jugendfreiwilli- gendienste ermöglichen neue Lernerfahrungen, vermitteln wichtige fachliche, soziale und interkulturelle Fähigkeiten. Sie stärken Selbständigkeit, Selbstbe- wusstsein sowie Verantwortungsbewusstsein. Durch die Verknüpfung von in- formeller Bildung und der Übernahme konkreter gesellschaftlicher und sozia- ler Verantwortung sind sie seit vielen Jahrzehnten wichtige Lernorte zwischen Schule und Beruf. Aus diesem Grund werden das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr vom Staat gefördert und unterstützt.

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Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage der SPD_pdf

Freiwilligendienste in Deutschland

Aktueller Begriff, Wissenschaftliche Dienste des Bundestages, 18. Februar 2010

Freiwilligendienste sind in Deutschland weit verbreitet. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an junge Menschen und umfasst in der Regel die Altersstufen von 16 bis 30 Jahren. Diese Jugend- freiwilligendienste bieten eine speziell geregelte Form des sozialen Engagements. Tätigkeitsfelder sind soziale und kulturelle Einrichtungen, der Umwelt-, Sport- und Denkmalpflegebereich sowie weitere, je nach Dienstanbieter unterschiedliche Einsatzgebiete. Freiwilligendienste bauen auf ein bürgerliches Engagement auf Zeit. Den Freiwilligen wird die Möglichkeit geboten, Erfahrun- gen vorrangig in sozialen Bereichen zu sammeln und daran zu wachsen.

Aktueller_Begriff_freiwilligendienste

Ausbau der Jugendfreiwilligendienste

Kleine Anfrage der SPD-Fraktion, 12. Februar 2010

Jugendfreiwilligendienste sind eine besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements und verbessern die Bildungsfähigkeit der Jugendlichen. Im Über- gang zwischen Jugend- und Erwachsenenphase eröffnen sie jungen Menschen die Chance persönlicher und beruflicher Orientierung. Jugendfreiwilligen- dienste ermöglichen neue Lernerfahrungen, vermitteln wichtige fachliche, so- ziale und interkulturelle Fähigkeiten. Sie stärken Selbständigkeit, Selbst- bewusstseinsowieVerantwortungsbewusstsein.DurchdieVerknüpfungvon informeller Bildung und der Übernahme konkreter gesellschaftlicher und sozia- ler Verantwortung sind sie seit vielen Jahrzehnten wichtige Lernorte zwischen Schule und Beruf. Aus diesem Grund werden das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr vom Staat gefördert und unterstützt.

Kleine_Anfrage_SPD

Zum Friedensdienst nach Italien gehen

Offenburger Tageblatt, 20. Juli 2009

Nun kehrt der 20-jährige Philipp Jägle seiner Ichenheimer Heimat für ein Jahr den Rücken. Er wird in Italien einen freiwilligen ökumenischen Friedensdienst absolvieren. Gestern wurde er im Gottesdienst in der Ichenheimer Auferstehungskirche verabschiedet Bereits im vergangenen Jahr war er in den Sommerferien vier Wochen auf den Philippinen, um in einem christlichen Rehabilitierungs-Projekt für ehemalige Drogenabhängige mitzuarbeiten.
Gelernter Bäcker
Die schwierige Arbeit mit jungen Menschen, deren Lebensweg nicht schnurgerade verläuft, hat dem gelernten Bäcker gut gefallen. Deshalb entschloss er sich, nach der bestandenen Prüfung zur Fachhochschulreife ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland zu absolvieren. Dieser freiwillige ökumenische Friedensdienst in Italien zählt für ihn auch als Ersatz für den Zivildienst.

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Buenos dias Pampa

Stuttgarter Zeitung, 16. Juni 2009, Kai Behrmann

Er hat die Rems gegen den Rio de la Plata eingetauscht. Stephan Liebscher aus Waiblingen macht ein freiwilliges soziales Jahr in Argentinien und kümmert sich um die Slumkinder von Buenos Aires.Die Buben aus dem Armenviertel La Cava heben beim Einsteigen demonstrativ ihre Flaschen in die Höhe. Der 21-jährige Deutsche steht an der Schulbustür und kontrolliert seine Schützlinge. Wer beim Fußballtraining mitmachen will, muss drei Voraussetzungen erfüllen: “Ausreichend zu trinken dabeihaben, pünktlich sein und Sportkleidung tragen”, sagt Stephan Liebscher. Dass die Regeln nicht immer eingehalten werden, hat er schnell erkannt. Wenn ein Junge in Jeans erscheint, weil die Sporthose kaputt ist, drückt Liebscher ein Auge zu. “Vielen Eltern fehlt das Geld, um neue Kleider für ihre Kinder kaufen zu können”, sagt Liebscher.

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Kontrast zwischen Arm und Reich

Anstelle seines Zivildienstes absolviert der Waiblinger seit August 2008 ein freiwilliges soziales Jahr vor den Toren der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Der Kontrast zwischen Arm und Reich, der das Anfang des 20. Jahrhunderts noch zu den zehn wohlhabendsten Ländern der Welt zählende südamerikanische Land prägt, ist hier allgegenwärtig. Statt an gepflegten Einfamilienhäusern führt Liebschers täglicher Weg zur Arbeit an notdürftig zusammengezimmerten Wellblechhütten vorbei. Eine Kanalisation gibt es nicht. Die Abwasserbrühe fließt in Rinnsalen über den staubigen Boden.

Die 15.000 Bewohner von La Cava, einem der größten Slums in Argentinien, leben in unmittelbarer Nähe der Villen des Nobelvororts San Isidro. An den Zugangsstraßen stehen mit Gewehren und kugelsicheren Westen ausgestattete Polizisten und Soldaten. Im April versuchten die Bewohner von San Isidro, sich zusätzlich mit dem Bau einer Mauer vor Übergriffen ihrer notleidenden Nachbarn zu schützen. Das Projekt wurde mittlerweile von der Politik gestoppt.

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Der Reiz liegt in der Fremde

Schweriner Zeitung, 5. Juni 2009, Sarah Grützmacher/ Charlotte Quandt

Die unbekannte, aufregende Ferne lockt jährlich zahlreiche Schüler zu einem Aufenthalt im Ausland. Besonders beliebt ist Australien. In diesem Jahr nutzen gleich vier Abiturienten den Abenteuertrip.

Thomas Hamann aus Bützow kann sich einen Traum erfüllen. Er ist einer der wenigen Auserwählten, die ihr “Freiwilliges Soziales Jahr” (FSJ) in Australien machen dürfen. Dort möchte er als Zivildienstersatz ein “Soziales Bildungsjahr” absolvieren. Der Verein “Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners” bietet Kriegsdienstverweigerern seit fast 15 Jahren die Möglichkeit, Sozialdienste im Ausland zu absolvieren. “Ich wollte am liebsten nach Australien. Das ist schön weit weg, aber der Kulturschock wird nicht ganz so groß”, erklärt der 18-Jährige.

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Durch Zufall nach Tansania

Main Post, 29. Mai 2009

Es gibt viele Abiturienten, die nach der Schulzeit in die Ferne schweifen. Die teils lästigen Pflichten der vergangenen 13 Jahre von sich abgeschüttelt, lockt viele der Ruf der Freiheit – und der Drang, neue Kulturen zu entdecken. Doch während manche eher einen Abenteuerurlaub als Bagpacker bevorzugen, sehen andere die Möglichkeit, das Angenehme mit dem (sozial) Nützlichen zu verbinden.

So auch die 19-jährige Johanna Neuerer aus Hoheim, die ab Herbst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Tansania machen und dort Kindergarten- und Grundschulkinder betreuen wird. Sie kommt in einem Kloster der Erlöserschwestern unter, das sich in Mtwara befindet, einer Stadt im Süden Tansanias, direkt am Indischen Ozean.

„Ich möchte später sowieso etwas Soziales studieren und das FSJ ist eine gute Gelegenheit zu erfahren, ob mir das wirklich zusagt“, erklärt die 19-Jährige. Im Moment tendiert sie zu Sonderschullehramt, das auch an der Uni Würzburg angeboten wird. Ihre Eltern dürften sich über diese Pläne freuen, denn nach dem langen Auslandsaufenthalt in Afrika könnten sie ihre Tochter dann wieder öfter sehen.

Ende September wird sich Johanna nämlich in den Flieger setzen und Deutschland für ein Jahr verlassen. „Man hat uns bei einem Vorbereitungsseminar in der Abtei Münsterschwarzach empfohlen, nicht zwischen Tansania und Deutschland hin- und herzufliegen, da es ohnehin schon lange dauert, bis man sich eingelebt hat. Wir haben zwar Urlaubstage, aber die werde ich auch in Tansania verbringen, vielleicht können meine Eltern mich mal besuchen“, sagt Johanna.

„Sie tanzen und trommeln gerne, da wird man als Europäer mitgerissen“

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Ein Freiwilliges Soziales Jahr in Indien

Hamburger Abendblatt, 17. Februar 2009, Christin Damrau und Paul Schauer

“Ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte”, sagt Jeanine Glöyer. 2008 hatte die 19-jährige Niendorferin Abitur am Gymnasium Bondenwald gemacht. Jeanine entschied sich, danach zunächst drei Monate ins Ausland zu gehen. Nach Indien. In eine Klosterschule, um dort Waisen in Englisch zu unterrichten.

Ob Freiwilliges Soziales Jahr oder das sogenannte Work & Travel – ein Programm, das Arbeiten und Reisen miteinander verknüpft – beide sind gefragt. Allerdings nicht mehr während der Schulzeit (wir berichteten), sondern viel mehr danach. Nach Angaben des Familienministeriums gehen jedes Jahr rund 450 junge Deutsche für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Ökologisches Jahr ins Ausland. Da dieser freiwillige Dienst auch als Zivildienst angerechnet werden kann, kommen 1075 junge Männer hinzu, die das FSJ als Ersatzdienst ableisten. Allerdings muss der Dienst, um ihn als FSJ bescheinigt zu bekommen, zwischen sechs und 18 Monaten dauern und bei einer offiziell geförderten Organisation ablaufen.

Doch verlieren junge Menschen nicht Zeit, in der sie schon ein Studium hätten beginnen können? “Nein”, sagt Knut Börnsen von der Agentur für Arbeit Hamburg. “Personalchefs schauen ganz genau hin. Ein Auslandsaufenthalt zeigt, dass man selbstständig ist und dass man sich gut anpassen kann.”

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Für ein Jahr in England leben

Baden online, 27. September 2008, Dirk-Eike Röckel

Wie ist es wohl, wenn man das erste Mal seine Heimat verlässt? Ohne Familie, Verwandte und Freunde in ein fremdes Land geht, um dort für ein Jahr zu leben. Diese Fragen haben sich mir gestellt, bevor ich meine Entscheidung getroffen habe, ein Freiwilliges Soziales Jahr, kurz FSJ, im Ausland zu leisten. Lieber soziale Erfahrungen sammeln und am besten noch in einer anderen Kultur, anstatt meine Zeit bei der Bundeswehr zu verschwenden. Das klingt zwar etwas überspitzt, entspricht aber meiner Meinung.
Nun stellte sich für mich nur noch die Frage, in welchem Land ich gerne einmal leben würde. Ein englischsprachiges sollte es sein. Da war ich mir sicher. Und nach längerer Überlegung, ob nun die USA oder doch das Mutterland der englischen Sprache, entschied ich mich für England.

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