Abenteuerurlaub auf Staatskosten?
Spiegel Online, 8. November 2010, Sebastian Erb
(…)Tausende solcher Stellen im Ausland finanziert die Bundesrepublik für ihre jungen Bürger, gleich mehrere Bundesministerien bieten Programme an. Auslandsdienste – auch als Ersatz für den Zivildienst – gibt es zwar schon länger, aber jetzt sind sie ein staatlich gefördertes Massenphänomen. Vor drei Jahren schickte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit dem “Weltwärts”-Programm zum ersten Mal junge Leute in Entwicklungsländer, 4400 sind es in diesem Jahr.
Durcheinander von staatlich geförderten Freiwilligendiensten
Das Programm erfreut sich großer Nachfrage – und ist immer wieder Kritik ausgesetzt: Leisten die jungen Freiwilligen einen sinnvollen Beitrag in der Entwicklungshilfe? Oder wird ihnen vom Staat ein Abenteuerurlaub in der Armut bezahlt?
Seit 2009 reisen Jugendliche fürs Auswärtige Amt unter dem Namen “Kulturweit” in die Ferne, knapp 400 sind es 2010. Das “pädagogisch begleitete” Programm samt Vor- und Nachbereitungsseminar wirbt auf bunten Fotos mit Einsatzgebieten von China bis Costa Rica. Nach Auffassung der Diplomaten bringen Freiwilligendienste “eine Menge Spaß” und helfen “die fremde wie auch die eigene Kultur kritisch zu hinterfragen”.
Auch das Familienministerium will nicht fehlen. Ab Januar bietet Ministerin Kristina Schröder (CDU) einen eigenen “Internationalen Jugendfreiwilligendienst” an. Damit sollen pro Jahr 1200 junge Menschen in die Welt geschickt werden. Förderung: 250 Euro pro Kopf und Monat. Das FSJ im Ausland, auch beim Familienministerium angesiedelt, besteht daneben weiter.
Die staatlich geförderten Freiwilligendienste bilden eine unübersichtliche Gemengelage (…)

